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18. Jahrhundert Friedrich Schiller/Literatur Theater

Friedrich Schiller – Genie und Charakter

Der Dichter Friedrich Schiller hinterließ der Nachwelt ein umfangreiches dramatisches und theoretisches Werk. Sein kurzes Leben war von Krankheit, Geldnot aber auch von einer ungeheuren produktiven Energie geprägt.

Schiller verfasste bereits mit dreizehn Jahren erste Theaterstücke. Auf herzoglichen Befehl trat er 1773 in die Militärakademie des württembergischen Herzogs Karl Eugen ein. Dort startete der Dichter mit dem Jurastudium, wechselte zur Medizin über und promovierte 1780 in diesem Fach. Im selben Jahr begann er als kärglich besoldeter Militärarzt bei einem Stuttgarter Grenadierregiment zu arbeiten. Noch zwei Jahre hielt er es unter der herzoglichen Kuratel aus, doch das Gegenleben hatte längst begonnen.Zunächst gab er anonym im Selbstverlag das Schauspiel „Die Räuber“ heraus, das am 13. Januar 1782 am Hof- und Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde. Mit dem Stück wurde Schiller auf einen Schlag berühmt. Doch der Herzog, dem die offenkundige Rebellion nicht verborgen bleiben konnte, untersagte dem Dichter das „Komödienschreiben“. Schließlich floh Schiller 1782 aus dem Herzogtum Württemberg, zunächst nach Oggersheim, dann nach Bauerbach südlich von Meiningen, wo ihn Henriette von Wolzogen, die Mutter eines Kommilitonen, beherbergte. Ob der unglücklichen Liebe zu deren Tocher kehrte er überstürzt nach Mannheim zurück und wurde dort Dramatiker am Hof- und Nationaltheater. Im Frühjahr 1785 folgte Schiller einer Einladung seines Bewunderers Christian Gottfried Körner (1756 - 1831) nach Leipzig. Mit großen Hoffnungen zog er zwei Jahre später nach Weimar, wo er unter anderem Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder kennen lernte.

Schiller und Goethe

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller begegneten sich erstmals 1788. Goethe vermittelte dem zehn Jahre jüngeren Dichter zwar eine unbezahlte Professur am Lehrstuhl für Geschichte der Universität Jena, aber näher kamen sich Goethe und Schiller erst einmal nicht. Schiller, bei aller Leidenschaft doch ein sittlich-ernster Asket, war dem erotisch-verspielten Goethe nach eigenen Worten „verhasst“.

Nachdem ihm der Herzog von Meiningen im Januar 1790 den Hofrattitel verliehen hatte, heiratete der Dichter am 22. Februar seine Verlobte Charlotte von Lengefeld. Ein Jahr später erkrankte er an einer schweren Lungenentzündung, von der er sich erst nach einigen Monaten und einer Kur in Karlsbad einigermaßen erholte.

Danach beschäftigte er sich intensiv mit den Schriften von Immanuel Kant (1724 - 1804) und ließ sich davon stark beeinflussen: Während Goethe die harmonische Einheit des natürlichen Seins zu spüren glaubte, sah Schiller den Menschen in der Spannung zwischen Geist und Körper, Freiheit und Natur. Freiheit bedeutete für ihn, die im Inneren vernehmbare Forderung des absoluten sittlichen Gesetzes zu verwirklichen. Nur wenn das Pflichtbewusstsein über die Neigung siegt, gewinnt der Mensch seine innere Freiheit. Der Gehorsam gegenüber der Stimme des Ewigen macht die alles Endliche übersteigende Bestimmung des Menschen aus.

Die Weimarer Klassik

1799 siedelte die Familie Schiller nach Weimar über. Schiller und Goethe sahen sich fast täglich, die Gespräche beflügelten Schiller, der mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Es kamen Dramen wie „Maria Stuart“ oder „Die Jungfrau von Orleans“ hinzu. Für die Zusammenarbeit der beiden großen deutschen Dichter prägte Heinrich Laube 1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhältnismäßig kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb 1805 im Alter von 45 Jahren an den Folgen der nie ganz auskurierten Lungenentzündung.

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16. Jahrhundert Martin Luther/Sprache

Martin Luther - Eine feste Burg ist unser Gott

Martin Luther war der theologische Urheber und Lehrer der Reformation. Als Theologieprofessor wollte er Fehlentwicklungen in der Katholischen Kirche durch ausschließliche Orientierung an Jesus Christus als dem fleischgewordenen Wort Gottes beseitigen. Seine Entdeckung der Gnade Gottes, seine Predigten und Schriften – besonders seine Lutherbibel – entfalteten breite Wirkung. Sie wurden von den Fürstentümern des 16. Jahrhunderts dazu genutzt, die Zentralmächte von Papst und Kaiser zurückzudrängen, und veränderten die mittelalterliche Gesellschaft nachhaltig. Unter ihrem Einfluss kam es entgegen Luthers Absichten zu einer Kirchenspaltung, Bildung der Evangelisch-Lutherischen Kirche und weiterer Konfessionen des Protestantismus.

Als Sohn eines Bergmanns wurde Luther 1483 in Eisleben geboren. Von 1501 bis 1505 studierte er an der Universität Erfurt, wo er mit dem Magister der freien Künste abschloss. Unter dem Eindruck eines schweren Gewitters gelobte Luther 1505, Mönch zu werden. Er legte bei den Erfurter Augustinern das Mönchsgelübde ab, empfing 1507 die Priesterweihe und nahm das Studium der Theologie auf. 1512 erhielt Luther eine Professur für Bibelauslegung am Konvent in Wittenberg. Seine exegetischen Arbeiten und sein starkes religiöses Empfinden kulminierten im Turmerlebnis, dass Luther zur Erkenntnis führte, dass der Mensch nicht aus eigener Kraft und durch seine Werke gerecht werde, sondern allein durch Gottes Gnade.

Der Beginn der Reformation

Mit der Publikation der 95 Thesen gegen den Ablasshandel 1517 setzte Luther die Reformation in Gang. Nachdem die Kirche nicht auf seine Argumentation einging, sondern ihn als Ketzer mundtot machen wollte, radikalisierte sich Luthers Position: In den Leipziger Disputationen kritisierte er das Papsttum als rein menschliche Institution und verneinte das Dogma der Unfehlbarkeit. Angesichts der Verurteilung durch die Kurie rechtfertigte sich Luther 1520 in drei programmatischen Schriften und appellierte an die weltlichen Obrigkeiten, die Kirchenreform in die eigene Hand zu nehmen. Am Wormser Reichstag erließ Kaiser Karl V. den Bann über Luther, doch dieser wurde von Friedrich, dem Kurfürsten von Sachsen, in Sicherheit gebracht. Auf der Wartburg begann Luther mit der deutschen Übersetzung des Neuen Testaments. 1521 kehrte er nach Wittenberg zurück. 1525 ergriff Luther im Bauernkrieg für die Fürsten Partei, worauf ihm radikalere Mitstreiter Verrat vorwarfen. Im Marburger Religionsgespräch kam es 1529 zum Bruch mit der reformierten Bewegung der Schweiz, weil Luther Zwinglis rein symbolisches Verständnis des Abendmahls verwarf. In der Confessio Augustana, dem ersten lutherischen Glaubensbekenntnis, wurde Luthers Lehre 1530 zu einem System ausgebaut und gegenüber anderen Lehren abgegrenzt. Nach der Übersetzung des Alten Testaments legte Luther 1534 die erste deutschsprachige Vollbibel vor. 1546 starb er in der Heimatstadt.

Dem Evangelium glauben

Luther lehrte, wenn der Mensch sein Ungenügen und sein Versagen erkenne, sich vor Gott als Sünder bekenne und ihn um Barmherzigkeit und Gnade anrufe, dann dürfe er sich der Gerechtigkeit Gottes gewiss sein. Diese "Rechtfertigung" brauchte die Kirche als Mittelsinstanz zwischen dem Gläubigen und Gott nicht mehr. Luther stellte die Bibel über die kirchliche Tradition. Für ihn war der geistliche Stand Gott nicht näher als die gewöhnlichen Gläubigen. In der aufschlussreichen Debatte mit Erasmus von Rotterdam über den freien Willen beharrte Luther auf dem allumfassenden Wissen Gottes, das auch die Zukunft einschließt. So folgte Luther seinem großen Vorbild Augustinus und erklärte, dass der Mensch seit dem Sündenfall keinen freien Willen mehr habe.

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15. Jahrhundert Tilman Riemenschneider/Malerei Bildhauerei

Tilman Riemenschneider - Künstler und Handwerksmeister

Tilman Riemenschneider zählt zu den Hauptmeistern der spätgotischen Skulptur in Deutschland. Über 80 eigenständige Werke und Arbeiten aus seiner überaus produktiven Werkstatt aus Holz und Stein sind bekannt, dazu zählen große Altäre aus Rothenburg ob der Tauber, Dettwang oder Münnerstadt. Mit kaum einem anderen Bildschnitzer hat sich die Forschung so nachhaltig beschäftigt. Und doch war es ein völlig Vergessener, der durch viele Bemühungen neu erweckt werden sollte. Weder Goethe noch die Romantik haben von ihm etwas gewusst. Sein zu Lebzeiten berühmter Name war im Zeitalter des Barocks verklungen. Erst ein Zufallsfund im 19. Jahrhundert – sein verwitterter Grabstein kam 1822 bei Ausschachtungen auf dem ehemaligen Friedhof am Dom zu Würzburg zu Tage – entdeckte den Meister erneut.

Lehr- und Wanderjahre

Nur wenig ist über seine Jugendzeit und künstlerische Ausbildung bekannt: 1468 in Heiligenstadt (Thüringen) als Sohn eines Münzmeisters geboren, wuchs Tilman Riemenschneider in Osterode im Harz auf. Um 1474 begann er eine Lehre als Holzschnitzer und Steinbildhauer und begab sich 1478/79 als Handwerksgesell auf Wanderschaft. Dabei gelangte er erstmals nach Würzburg, bereiste ferner Schwaben und den Oberrhein, wo er Martin Schongauer und dessen Kupferstiche, die er später als Vorlagen verwendete, kennen lernte. Während dieser »Reise- und Lehrjahre« machte er Bekanntschaft mit Nikolaus Gerhaerts und dem niederländischen Realismus, besuchte Holland und das Moselgebiet. 1483 schließlich wurde er als »Malerknecht« in die Zunft der Maler, Bildhauer und Glaser (Lukas-Brüderschaft) aufgenommen und hielt sich ab 1483 in Würzburg auf. Durch die Heirat einer Goldschmiedewitwe bekam Bürgerrecht und Meisterwürde übertragen. Seine gestiegene Wertschätzung zeigte sich in der Tatsache, dass er 1504 als Mitglied in den Städtischen Rat gewählt wurde. Öffentliche Ämter und Privilegien sollten sein gesellschaftliches Ansehen mehren und ihm viele lukrative Aufträge bescheren.

Unruhige Zeiten

Von 1520 bis 1524 übernahm Riemenschneider das Amt des Bürgermeisters. Zu dieser Zeit wehte schon der Geist der Reformation durchs Land und nahm auch viele Würzburger Bürger für sich ein. Der Rat der Stadt führte seit längerem politische Auseinandersetzungen mit dem mächtigen Fürstbischof. Der Streit eskalierte 1525 während des Bauernkriegs, als sich aufständische Bauern vor der Stadt sammelten und die Würzburger Bürger sich mit ihnen gegen den Bischof verbündeten. Riemenschneiders engagierte politische Betätigung brachte ihn in Misskredit, da er sich auf die Seite der Aufständischen geschlagen hatte und nun nach dem Scheitern des Aufstandes Ablehnung und sogar Haft auf der Marienburg in Würzburg erfahren musste. Zusammen mit den anderen Ratsherren kam er schließlich wieder frei und wurde mit der Einziehung großer Teile seines Vermögens bestraft. Die nachtragende Obrigkeit sorgte dafür, dass Tilman Riemenschneider bald in Vergessenheit geriet. Nach seiner Freilassung erhielt er nie mehr einen größeren Auftrag. Bis zu seinem Tod 1531 führte er mit seiner vierten Ehefrau ein zurückgezogenes Leben und starb 63jährig als begüterter Mann mit großer Werkstatt und vielen Schülern in Würzburg.

Wertschätzung bis in die Gegenwart

Die ungebrochene Wertschätzung Riemenschneiders beruht vor allem auf der Ausdruckskraft und der eigentümlichen Innigkeit der Holz- und Steinbildwerke. Es ist seine Größe und Leistung ein erhabenes Menschenbild geschaffen zu haben, das im mädchenhaften Madonnentypus, in den nachdenklich-gespannten Köpfen der jungen und den kraftvoll-engagierten Gesichtern der älteren Heiligen hintergründig vom Geist und den Erregungen seiner Epoche kündet.

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17. Jahrhundert Heinrich Schütz/Musik

Heinrich Schütz „der allerbeste teutsche Componist“

Heinrich Schütz, der erste deutsche Musiker von europäischem Rang, begann 1608 ein Jurastudium in Marburg, das er 1609 abbrach, um mit Unterstützung des Landgrafen von Hessen-Kassel in Venedig Musik zu studieren. Sein "Gesellenstück", die Italienische Madrigale, erschienen 1611 als Opus 1 in Venedig. Bald nach der Rückkehr nach Kassel war ihn der Kurfürst von Sachsen als "Organist und Director der Musica" an den Dresdner Hof "ab", wo er seit 1617 bis zu seinem Tod das Amt des Hofkapellmeisters inne hatte.

Chor- und Einzelwerke

In Dresden entstanden großdimensionierte Werke mit opulenter Chor- und Instrumentalbesetzung. Daneben komponierte Schütz zahlreiche Einzelwerke, die zum größten Teil verloren gingen. In den entbehrungsreichen Jahren der dritten Phase des Dreißigjährigen Krieges entstand mit den Musikalischen Exequien eine kompositorisch wie in ihrer Textkonzeption außergewöhnliche Sepulkralmusik. Schütz hielt sich zweimal am Hof des dänischen Königs auf, während der zweiten Reise komponierte er die Symphoniae Sacrae. Trotz des Niedergangs der kursächsischen Hofkapelle entstanden weitere Sammlungen, die den Höhepunkt von Schütz‘ Ansehen in Deutschland und Nordeuropa markierten: die Motettensammlung Geistliche Chormusik und der dritte Teil der Symphoniae Sacrae. Das eindrucksvolle Alterswerk des Komponisten markieren die Weihnachtshistorie, drei A-cappella-Passionen nach Lukas, Johannes und Matthäus und ein Jahr vor seinem Tod ein umfangreicher doppelchöriger Motettenzyklus über Psalm 100 und 119, womit er sein kompositorisches Werk abschloss.

Musik für außergewöhnliche Anlässe

Als Hauptaufgabe sah Schütz die Bereitstellung von Musik zu außergewöhnlichen Anlässen wie großen Hoffesten oder politischen Ereignissen. Neben Madrigalen in italienischer Sprache komponierte er Vokalmusik mit deutschen geistlichen Texten, die für Hofgottesdienste ebenso wie zur Unterhaltung der fürstlichen Tafel gedacht war. Seine meisterhafte „Übersetzung“ deutscher Texte in Musik begeisterte das Publikum. Neben der Bibelprosa vertonte Schütz gereimte oder gar strophische Texte eher selten, auch deshalb, weil er deutsche Dichtung nach dem Muster des italienischen Madrigals vermisste und sich nicht dazu in der Lage sah, selbst solche Texte zu schreiben.

Neben dem Stil mit Generalbaß hat Schütz auch noch den älteren generalbaßlosen Stil gepflegt und als Grundlage allen Komponierens hochgeschätzt. Gerade die Verschmelzung beider Stile, die Arbeit mit Elementen des Konzerts ebenso wie mit solchen aus Motette und Madrigal, dabei der virtuose Umgang mit den Vokalstimmen ebenso wie mit den obligaten Instrumenten und die variable Handhabung unterschiedlichster Besetzungen (vom einstimmigen kleinen Konzert bis zu mehrchörigen, klangvollen Werken) zählen zu den besonderen Leistungen des Komponisten.

Vater der modernen Musik

Seine Zeitgenossen nannten Schütz „parens nostrae musicae modernae“, also „Vater unserer (d. h. der deutschen) modernen Musik“. Die erste deutsche Musikgeschichte 1650 nannte ihn „den allerbesten teutschen Componisten“, auf seinem Grabstein wurde er als „seines Jahrhunderts hervorragendster Musiker“ bezeichnet. Trotz der Wertschätzung durch seine Zeitgenossen geriet er nach seinem Tod rund 200 Jahre lang in Vergessenheit. Eine intensivere Schütz-Pflege begann in den 1920er-Jahren, mit der Gründung der ersten, kurzlebigen Heinrich-Schütz-Gesellschaft. Ihr folgte 1930 eine Neue Schütz-Gesellschaft, die später umbenannt wurde und noch heute als Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft (ISG) besteht und das Verständnis der Musik von Schütz befördert.

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20. Jh. Martin Gropius/Architektur Design

Walter Gropius – Bauen von Berlin bis Bagdad

Der Architekt und Gestalter Walter Gropius, hier in einer Darstellung des Künstlers Prof. h. c. Jürgen Goetz, strebte den radikalen Bruch mit den bislang gültigen Traditionen in Architektur und Design an und gründete das Staatliche Bauhaus Weimar, eine Kunst-, Design- und Architekturschule. Sein Werk steht für einen strikten Oppositionskurs zu jeder Tradition des Bauens und des Designs. Er prägte die Formenwelt des 20. Jahrhunderts entscheidend mit.

Familie und Ausbildung
Gropius entstammte einer Berliner Architektenfamilie. Sein Vater Walther war Geheimer Baurat, sein Großonkel der Schinkel-Schüler Martin Gropius, der den nach ihm benannten Museumsbau entwarf.
Nach einem abgebrochenen Architekturstudium in München und Berlin, trat Walter Gropius 1907 in das Büro von Peter Behrens ein. Nach drei Jahren machte er sich als Industriedesigner und Architekt selbstständig. Schon bald gelang ihm ein bahnbrechendes Beispiel des „Neuen Bauens": Für das niedersächsischen Alfeld entwarf er eine Schuhleistenfabrik in klaren kubischen Formen und transparenten Konstruktionen aus Stahl und Glas, die dem Bau, der zum Weltkulturerbe zählt, eine unbekannte Leichtigkeit geben.
Im Mittelpunkt seines Privatlebens stand lange Alma Mahler, nicht nur Ehefrau des Komponisten Gustav Mahler, sondern auch Femme Fatale und Muse für viele Künstler. Gropius heiratete sie nach Mahlers Tod. Diese Ehe wurde geschieden, bis an sein Lebensende hielt die zweite Ehe mit der Buchhändlerin Ilse Frank.

Leichtigkeit mit Stahl und Glas

Noch bevor Gropius zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar ernannt wurde, aus der er 1919 das Staatliche Bauhaus machte, gehörte er zu einer widerspenstigen Architekten-Gruppe, die „das Verschwinden der Persönlichkeit" des Künstlers forderte. Der „Stararchitekt" verabscheute selbst jeden Starkult und setzte stattdessen auf Teamarbeit. Diese setzte er im Bauhaus um, einem Ort der intellektuelle Auseinandersetzungen ermöglichte: Meister und Schüler sollten voneinander lernen. Im Geist des Forschens und Experimentierens sollten Vertreter verschiedener Disziplinen praktisch alles vom Hochhaus bis zur Sitzgelegenheit kreieren. Ein utopischer Impuls und der Wunsch nach einem neuen Lebensentwurf waren damit verbunden - nicht zuletzt nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, den Gropius selbst an der Westfront erlebte. Er sah die Zeit für einen Neubeginn gekommen. Sein ehrgeiziges Ziel war es, den „Bau der Zukunft" als Gesamtkunstwerk zu schaffen.

Von Europa nach Amerika und in die ganze Welt

Die Nationalsozialisten schlossen das Bauhaus, das der Architekt bereits 1928 verlassen hatte. Über England emigrierte er in die USA und gründete dort 1946 eine Vereinigung junger Architekten, in der sein Ideal von der Teamarbeit erneut verwirklicht wurde.
Doch nicht alles, was Gropius entwarf, war genial. Zur Lösung städtebaulicher und sozialer Probleme gestaltete er Massenwohnbauten, in Berlin schuf er in diesem Sinne einen Stadtteil: Die Gropiusstadt, ein großzügig angelegter Hochhauskomplex mit viel Licht u Luft und Grün. Nicht zuletzt aufgrund einer problematischen Vermietungspolitik entstand dort ein Bündel sozialer Probleme. Für das Berliner Hansaviertel steuerte er einen elegant geschwungenen Etagenbau bei.
Mit seiner Idee vom „Baukasten im Großen“ legte Gropius die Grundlage für Plattenbauten in den Satellitenstädten dieser Erde. Viele seiner Bauten sind weltweit zu bewundern, etwa in Athen, London und New York, Bagdad oder Boston, wo er 1969 starb.

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19. Jahrhundert Carl Zeiss/Technik

Carl Zeiss – geschärfter Blick ins Weltall

Erfinder hatten schon immer einen besonderen Platz in der deutschen Geschichte: Menschen, wie der Mechaniker und Unternehmer Carl Zeiss.

Nach einer Mechanikerlehre und Wanderjahren studierte der junge Carl Zeiss ab 1845 in Jena Chemie und Mathematik. Zudem eröffnete er 1846 – nach Ablehnung eines entsprechenden Gesuchs in Weimar - ein „Mechanisches Atelier“. Hierfür erhielt er eine "Großherzogliche Konzession zur Fertigung und zum Verkauf mechanischer und optischer Instrumente". Zunächst reparierte und baute er Mikroskope und andere optische Geräte für Universitätsangehörige, kurz darauf folgte die eigene Fertigung einfacher Mikroskope. Jedes davon war ein Unikat. Doch der zum Universitätsmechanikus ernannte Zeiss war mit ihrer Qualität nicht zufrieden. Es gab keine Möglichkeit die Eigenschaften eines Mikroskops voraus zu berechnen und gezielt zu optimieren, Versuche schlugen wiederholt fehl. Trotzdem expandierte das Atelier und beschäftigte 1852 bereits 10 Mitarbeiter.

Vom Handwerksbetrieb zum Großunternehmen

1866 beauftragte Zeiss Ernst Abbe, einen Physikprofessor der Jenaer Universität, mit der wissenschaftlichen Fundierung des Mikroskopbaus. Durch diese erfolgreiche Zusammenarbeit wurde der Zeiss’sche Handwerksbetrieb zum Großunternehmen. Noch im gleichen Jahr erfolgte die Fertigung des 1.000 Mikroskops. Ein wichtiges Problem dabei stellte die gleichbleibende Qualität des Glases dar. Dies konnte weder von Zeiss noch von Abbe gelöst werden. Sie holten dazu den Chemiker Otto Schott nach Jena, als Dritten im Bunde.

Nach erfolgreichen Glasschmelzversuchen für die Firma Carl Zeiss baute Schott ein Werk für optische Gläser in Jena auf. Die Gründung des „Glastechnischen Laboratoriums Schott & Gen.“ schuf die glastechnische Grundlage des Welterfolgs der optischen Erzeugnisse von Zeiss. Der Erfolg der Firma Schott gründete sich allerdings nicht nur auf optisches Glas, sondern auf eine Vielzahl von Gläsern, die Schott nach seinen Schmelzversuchen in einer bisher unbekannten Qualität herstellen konnte. Beide Unternehmen konnten auf ein wirklich beeindruckendes Wachstum verweisen. Ihre Mitarbeiterzahlen stiegen sprunghaft an.

Während sich bei Carl Zeiss das berufliche Glück einstellte, musste das private warten. Seine erste Frau verstarb bei der Geburt eines Sohnes, die darauf geschlossene Ehe währte dagegen 35 Jahre. Aus ihr gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor.

1875 machte Carl Zeiss den Freund Ernst Abbe zum Teilhaber seiner Firma, der in den Folgejahren nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen für den Welterfolg der Zeiss-Werke begründete. Er rief die Carl-Zeiss-Stiftung ins Leben, die zum einen den unternehmerischen Bestand der Firmen Zeiss und Schott auf Jahre sicherte, zum anderen aber auch einen großen Teil der Unternehmensgewinne für die Unterstützung der Universität und die Schaffung sozialer und kultureller Einrichtungen in der Stadt Jena bereit stellte.

Erfolg und Ehre

Für seine herausragenden Leistungen wurde Carl Zeiss 1880 mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Als er acht Jahre später starb hinterließ er ein bedeutendes Unternehmen mit glänzenden Perspektiven. Als weltweit einzige Firma war Zeiss in der Lage Mikroskope nach Katalog und mit definierten Eigenschaften zu produzieren. Damit begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Heute sind die Carl Zeiss Werke eines der weltweit bekanntesten Unternehmen der feinmechanisch- optischen Industrie. Sitz der Konzernleitung ist Oberkochen, weitere Standorte befinden sich in Jena und Göttingen. Neben Mikroskopen werden auch Geräte für Wissenschaft, Forschung und Industrie produziert. Große Bekanntheit erlangte die Firma durch ihre astronomischen Instrumente wie Linsenfernrohre, Spiegelteleskope oder Ausrüstungen für Observatorien und Planetarien.